Kassel: Perspektiven

Rudolfplatz

13.08. Über das Hohe Gras erreiche ich den Herkules im Bergpark Wilhelmshöhe am Rande von Kassel. Von hier oben folgt der Blick eines jeden Besuchers unwillkürlich der kilometerlangen Blickachse hinunter in die Stadt. Seit bereits etwa dreihundert Jahren prägt diese gebaute Inszenierung die Blicke. Und egal an welcher Stelle man auf diese Achse trifft, ob nun im Park oder in der Stadt, praktisch ist es schlicht unmöglich, sich dieser vorgezeichneten Perspektive zu entziehen. Dies nun erinnert mich an eine ähnliche – wenn auch subtilere – aufgezwungene Betrachtungsweise auf die Stadt. Und auch hier ist Kassel ein Vorzeige-Beispiel: Die autogerechte Stadt. In den Nachkriegsjahren kamen aus ganz Deutschland Stadt- und Verkehrsplaner nach Kassel, um sich anzuschauen, wie man es richtig macht. Die im Krieg sehr stark zerstörte Stadt bot nur noch wenig Widerstand gegen die Idealpläne der Verkehrsplaner, wobei damals Verkehr insbesondere als freie Fahrt für Autos gedacht wurde. Und um diesen Verkehrsstrom nicht zu behindern, wurden die Fußgänger dann bekanntlich an vielen Kreuzungen durch Unterführungen geschleust. Dieses „Erbe“, diese Stadtidee prägt noch heute die Stadtstruktur, beeinflusst ganz wesentlich das soziale Verhalten und Denken der Menschen. Doch es tut sich was. So beispielsweise in der Goethestraße. Der in dieser Straße wohnende (Fuß)Verkehrsplaner Andreas Schmitz schildert mir während eines gemeinsamen Spaziergangs die Hintergründe. Hier eine Kurzfassung: Bis vor kurzem war die Goethestraße noch vierspurig ausgebaut. Inzwischen wurde die Fahrbahn auf zwei Spuren halbiert und die vormaligen anderen zwei Fahrspuren konnten zu einer breiten Promenade umgestaltet werden. So wurden enorme Verbesserungen erzielt für Fußgänger, für Radfahrer und für Menschen, die einfach nur auf der Straße verweilen wollen (und der motorisierte Verkehr fließt auch noch). Die neu gewonnene Aufenthaltsqualität verhilft der Straße zu einer guten Adresse –  und wurde bereits mit einem Städtebaupreis ausgezeichnet. „Das Projekt ist beispielgebend für die vielerorts anstehende städtebauliche Reparatur »autogerechter« Hauptverkehrsstraßen. Die Entwurfsprinzipien sind verallgemeinerbar, der Entwurf selbst bleibt freilich ortsspezifisch,“ lautet die Begründung in der Auszeichnung. Und wieder einmal blickt die Fachwelt nach Kassel.  Empfehlenswert ist dies insbesondere in den Abendstunden. Dann bevölkert sich die Goethestraße und ebenso der anschließende Rudolphsplatz. Die ehemaligen Verkehrsflächen werden dann regelmäßig zu einem lebendigen Ort. (In dem Vorher/Nachher-Bildpaar derselben Straßenecke wird die Dimension des zurückgewonnenen Freiraums deutlich.)

Es gibt noch viele weitere Zukunfts-Perspektiven in Kassel, die ich dann bei meinem nächsten Aufenthalt besuchen möchte. (Kopiloten: Politische Bildung im kommunalen/öffentlichen Raum; Next Kassel: Deine Idee für deine Stadt; Solidarische Landwirtschaft Kassel; Essbare Stadt; Transition Town Kassel; Bürgerenergiegenossenschaften)

Fotos dieses Artikels von Andreas Schmitz

Vorher Nachher

Was fehlt:

Kopiloten: Politische Bildung im kommunalen/öffentlichen Raum

Next Kassel: Deine Idee für deine Stadt

Solidarische Landwirtschaft

Essbare Stadt

Transition Town Kassel

Bürgerenergiegenossenschaft Kassel

STADTLABOR IM FREIEN RADIO – hier kamen die Initiatoren selbst zu Wort

Kopiloten, 19.12.2013

Nextkassel, 13.2.2014

Essbare Stadt, 20. November 2014

Solidarische Landwirtschaft, 12.3.2015

Energiewende in Bürgerhand, 30.7.2105

Buen Vivir – Gutes Leben (mit Alberto Acosta)

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