Kommune Niederkaufungen

Kommune Niederkaufungen

16.08. Zur Kommune Niederkaufungen gibt es umfangreiche Informationen im Internet, so etwa ein zwanzigseitiges Grundsatzpapier und dazu auch ein Ergänzungspapier (übersetzt in acht Sprachen). Ich möchte mir dennoch einen eigenen Eindruck verschaffen. Manchmal sind es ja gerade auch die eher nebensächlichen Dinge, die etwas an die Oberfläche durchscheinen lassen.

Gleich neben dem Eingang im Gemeinschaftsraum gibt es eine Informationstafel und so etwas wie ein analoges Twitter: Kurz gefasste Nachrichten zu tagesaktuellen Ereignissen und ähnliche Mitteilungen werden jeweils handschriftlich oben auf dem abgerollten Papierbogen ergänzt. Nach und nach wird die Papierrolle weiter abgerollt. Die älteren, unten stehenden Nachrichten haben sich irgendwann erledigt und können dann gelöscht, sprich abgeschnitten werden. Momentan ist zu lesen: „Heute nachmittag kommen zwei Wanderer/in (Bertram + Andrea), eingeladen von Hans. Werden vertretungsweise bekümmert von Asly, übernachten im Gästezimmer Wohnheim EG Flur, gehen Sonntag weiter.“ Sechzig Erwachsene und zwanzig Kinder leben in der Kommune und da ist die Organisation der Kommunikation natürlich ein zentrales Thema. Manche Hinweise sind auch irgendwie witzig, wie etwa ein Zettelchen an der Küchentür: „Küche ist keine Demokratie.“ Nicht nur ein kleiner Zettel, sondern ein großes Wandplakat trägt den Titel „Ideen für unser 30-jähriges Jubiläum“, das im nächsten Jahr gefeiert wird.
Astrid-Lydia (Asly) führt uns kurz über das Gelände. Rasch wird deutlich, in den zurückliegenden 29 Jahren kamen schon viele fragende Besucher. Um öffentliches Interesse braucht sich die Kommune nicht zu sorgen, eher darum, wie zwischen Seminarbetrieb und Besuchern die privaten Räume im Haus und im Garten bewahrt werden können. Wer will schon in einem Zoo leben oder zum x-hundertsten Mal die gleichen Fragen beantworten. „Besser ist, ihr stellt den anderen beim Abendessen keine Fragen. Die wollen eher ihr Ruhe.“ Versteh ich und behalte also meine Fragen für mich.
Irgendwie kommen wir doch noch in’s Gespräch; warum gerade auf dieses Thema, lässt sich nicht mehr erinnern: Von der heutigen Jugendgeneration wollen einige – so war verschiedentlich zu lesen – keinen Sex vor der Ehe. „Wie auch immer, aber sie wollen auf jeden Fall alle WLAN.“ Da aber wiederum andere in der Kommune großen Wert legen auf möglichst wenig Elektro-Smog, ist dies also ein aktuell diskutiertes Thema.
Auf meine Frage, ob die Kommune Kaufungen ein Aussichtspunkt in die Zukunft sei, stimmt dem Astrid-Lydia zu – aber eben einer von vielen. Sie selbst lebt bereits seit 18 Jahren hier und wünscht sich den Austausch mit jenen, die als Kinder in der Kommune aufgewachsen sind, dann aber ebenfalls die Familie verlassen haben an anderen Orten leben – das wären ideale Berater, um neue Innoavation reinzubringen.
So habe ich also doch einiges erfahren. Beim Frühstück erhalte ich zum Abschied noch das Buch Traumpfade von Bruce Chatwin mit auf den Weg. In der Kommunebibliothek war es gleich doppelt vorhanden.

Gelegenheit die Kommune Niederkaufungen kennen zu lernen bieten die Hoffeste (das nächste am 5.09.15) oder die Info-Wochenenden (30.10.-1.11.15)

Fuhrpark 1  Fuhrpark 2 Hofladen  image Geländeplan  Infozentrale  Twitter analog

 

 

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