Während der Ausstellung documenta, zu welcher seit 1955 alle fünf Jahre Menschen aus vielen Ländern der Welt nach Kassel reisen oder auch während der alle sieben Jahre stattfindenden Aachener Heiligtumsfahrt, bei welcher innerhalb zehn Tagen über hunderttausend Menschen den Aachener Dom besuchen, stellen sich Situationen ein, die andernorts als Overtourism identifiziert werden. Wobei die Aachener Heiligtumsfahrt bereits seit 1349 beinahe durchgehend in siebenjährigem Rhythmus stattfand – im Mai 1937 kamen trotz Einschüchterung durch die Nationalsozialisten sogar circa 800.000 Pilger nach Aachen. (Quelle: Wikipedia) Während die beiden hier stellvertretend genannten Großevents jeweils periodisch stattfinden und insbesondere mit der Motivation zu einer eingehenden persönlichen Auseinandersetzung mit Kunst bzw. Religion einhergehen, ist das Irritierende am Overtourism dessen banale Oberflächlichkeit und Alltäglichkeit bei zunehmend die Verhältnisse sprengenden Menschenmassen. Mehr und mehr TV-Dokumentationen zeigen diese Entwicklung in erschreckend klaren Bildern. Beispielsweise die arte-Sendung Viel zu voll! Wie reisen wir entspannter? Diese konfrontiert mit der Frage: „Sollten wir besser aufs Reisen verzichten?“
Für den Denkweg lässt sich hierauf entgegnen: Wer nicht ausgerechnet während der Heiligtumsfahrt durch das Zentrum von Aachen läuft oder während der Eröffnung der documenta über den Friedrichsplatz in Kassel will, braucht bei der Wanderung auf dem Denkweg sich nicht vor Overtourism fürchten. Hier wird eher dessen Gegenteil zum Problem.

