Von Jahr zu Jahr pilgern immer mehr Menschen nach Santiago de Compostela – im Jahr 2025 waren es 242.000 allein auf dem Camino Francés. Auf den letzten hundert Kilometer ab der Stadt Sarria drängeln sich die Pilger mitunter zu dichten Gruppen. 2025 zählte das Pilgerbüro Santiago insgesamt etwa 530.700 Pilger. Mehr und mehr ist die Rede von Overtourism, was beispielsweise in der arté-Reportage Re: Tourimeile Jacobsweg anschaulich wird.
Trotz dieser Kehrseiten bleibt festzuhalten, dass der Camino Francés für viele Menschen eine enorme Faszination entfaltet und ohne Zweifel nehmen die Pilger persönliche und noch lange nachwirkende Eindrücke mit nach Hause (insbesondere jene, die deutlich mehr als nur die letzten hundert Kilometer gingen). Interessant zu erforschen wäre, wie weit diese je persönlichen Erlebnisse und Eindrücke auch in die Gesellschaft hinein eine Wirkung entfalten.
Die prinzipiell denkbare Rückkoppelung von Fernwandern und Pilgern in die Gesellschaft hinein kann folgendes Gedankenspiel aufzeigen:
Walk My Walk
Die „Band“ »Breaking Rust« veröffentlichte im Oktober 2025 die EP »Resilient«. Der Titel »Walk My Walk« erreichte mit mehr als einer Million monatlicher HörerInnen den Platz Eins der Billboard-Charts für digitale Country-Song-Verkäufe. Der Titel »Livin’ on Borrowed Time« von »Breaking Rust« wurde sogar mehr als 27 Millionen Mal gestreamt.
Was ist daran nun das Besondere, weshalb eine Nachricht zu einer Musikproduktion hier im Kontext von Denkweg von Interesse ist – außer dem irgendwie passenden Song-Titel »Walk My Walk«?
Kurz: Es gibt keine Band »Breaking Rust«! Die Songs sind von einer sogenannten künstlichen Intelligenz (KI) generiert (die auch Geisterfahrer auf die Autobahn schickt).
Begegnung im Regen
Ich habe den Norden von Siegen erreicht. Es wirkt hier wenig einladend und ich möchte ohnehin gerne noch ein paar Kilometer gehen, etwas Strecke machen. Allerdings wird das Wetter zusehends schlechter. Na, ich riskiere es. Kaum habe ich Siegen hinter mir gelassen, wechselt der Nieselregen ziemlich plötzlich in starken Regen. Ich flüchte mich in einen jungen, dichten Fichtenwald, um dort unterzustehen. Noch ist der Boden trocken, was sich aber bald ändert. Überall tropft es jetzt.
„Begegnung im Regen“ weiterlesenWahnbachtalsperre
Bislang verlief die Strecke weitgehend durch Ebenen und die einzigen Berge waren die künstlichen Halden. Doch ab heute wird es anders. Ab jetzt wird es auf und ab gehen durch sehr ländliche Gegenden. Nach zwei Wochen Gehen spüre ich das erste Mal ein paar „Wehwehchen“ an den Füßen. Und zum ersten Mal ist es heiß. Doch wenn es nicht schlimmer wird, ist alles gut. Kein Grund zu irgendeiner Klage! Besondere Attraktionen stehen für die nächsten Tage erst einmal keine auf dem Plan. Es gilt also, dem Zufall seine Chance einzuräumen.
Gestern wanderte ich durch die Wahner Heide und heute nun, von Altenrath kommend, stoße ich auch noch auf die Wahnbachtalsperre; In der Kurzform lautet der Name nur: „Wahn-Sperre“! Klingt ja allmählich gefährlich, denk ich mir so. Ich wage es dennoch, setze mich zu einer Rast nahe ans Ufer. Und dann, schon nach wenigen Minuten, ertappe ich mich, wie ich in Gedanken so eine Art Doppel-Selbstgespräch mit mir führe:
