Walk My Walk

Die „Band“ »Breaking Rust« veröffentlichte im Oktober 2025 die EP »Resilient«. Der Titel »Walk My Walk« erreichte mit mehr als einer Million monatlicher HörerInnen den Platz eins der Billboard-Charts für digitale Country-Song-Verkäufe. Der Titel »Livin’ on Borrowed Time« von »Breaking Rust« wurde sogar mehr als 27 Millionen Mal gestreamt.
Was ist daran nun das Besondere, weshalb eine Nachricht zu einer Musikproduktion hier im Kontext von Denkweg von Interesse ist – außer dem irgendwie passenden Song-Titel »Walk My Walk«?
Kurz: Es gibt keine Band »Breaking Rust«! Die Songs sind von einer sogenannten künstlichen Intelligenz (KI) generiert.

Dies ist alles andere als ein Einzelfall: Beispielsweise allein auf dem französischen Streamingunternehmen Deezer werden rund 75.000 vollständig KI-generierte Titel hochgeladen – täglich.
2025 gab es im Internet erstmals mehr von KI generierte Texte als von Menschen geschriebene. Die Analysefirma Graphite, die das ermittelte, spricht von einem »Takeover«. 

Im Jahr 2015 (als der Denkweg entworfen wurde) lag eine solche Entwicklung noch außerhalb der Vorstellungswelt der wohl allerallerallermeisten Menschen. Und was bedeutet dies nun für das Wandern und die Idee des Denkwegs? Sehr wahrscheinlich wird immer zutreffender, was der langjährige Chefredakteur des »Landscape Architecture Magazin« Grady Clay einst erklärte, dass es eben wichtig sei, „die Fähigkeit der persönlichen unmittelbaren Beobachtung zu trainieren und sie als den ersten und ultimativen Zugang zum Verständnis der Welt zu begreifen“.
(Quelle: Grady Clay: „Mit Vesalius, Geddes und Jackson Amerika durchqueren: Der Querschnitt als Lerninstrument“. In: B. Franzen u. S. Krebs: Landschaftstheorie. Köln 2005)

[Funfakt: In einer Szene des »Official Music Video« (Beitragstitelbild) zu dem Song läuft der „Musiker“ mit seiner Gitarre auf einem Mittelstreifen einer mehrspurigen Autobahn – und wird von Geisterfahrern passiert, ohne dass es dabei zu Unfällen kommt. Ein Wunder der KI?]