Pilger finden im LebensGut Cobstädt eine freundliche Herberge. Das ist überraschend, denn Cobstädt ist klein. […] Zum LebensGut Cobstädt gehören (2015) etwa zwanzig Erwachsene und sechs Kinder, die verteilt auf sechs alte Höfe im Ort leben. Die Wohnformen variieren von alleinstehend bis Wohngemeinschaften, erzählt mir Thomas Penndorf. Er hatte sich 2004 für die Gründung des LebensGutes wesentlich engagiert.
„LebensGut Cobstädt“ weiterlesenUrwald? Wildnis?
Steil geht es bergauf und bald enden dann auch die breiten, befestigten Wege. Mal auf engen, mal auf lichten Pfaden führt der Urwald-Steig sowohl durch jungen, schier undurchsichtigen wie auch durch alten, hallenartigen Buchenwald. Helle Waldabschnitte wechseln mit dunklen. Das eher hellgrüne Laub der Buchen kontrastiert mit den dunkleren, leicht olivgrünen Blättern der Eichen, die sich vereinzelt dazwischen finden. Großes Landschaftskino – ständig gibt es etwas zu entdecken. Der Boden bietet den Füßen oft einen angenehm weichen Auftritt und so gehen diese fast wie von selbst – auch wenn es immer mal hoch und runter geht. Die schönen Aussichten und die Abwechslung der Wege lassen die Anstrengung vergessen. Ebenfalls vergessen lässt der Urwald-Steig die Frage, ob das nun Urwald sei oder eines Tages werden könnte. Auch die Frage, wo das Holz herkommen soll, das wir ja doch benötigen, ist an diesem Ort nicht angebracht. In Erinnerung hingegen kommt mir das Zitat, das ich mir im Naturparkzentrum notiert habe:
„Es ist umsonst, wenn wir von einer Wildnis träumen, die in der Ferne liegt. So etwas gibt es nicht. Der Sumpf in unserem Kopf und Bauch, die Urkraft der Natur in uns, das ist es, was uns diesen Traum eingibt.“
(Henry David Thoreau; 1817 – 1862)
[Auszug auf aus „Urwald-Steig“. In: Weisshaar, Bertram: Denkweg. 2016 München. Oekom Verlag]
Begegnung im Regen
Ich habe den Norden von Siegen erreicht. Es wirkt hier wenig einladend und ich möchte ohnehin gerne noch ein paar Kilometer gehen, etwas Strecke machen. Allerdings wird das Wetter zusehends schlechter. Na, ich riskiere es. Kaum habe ich Siegen hinter mir gelassen, wechselt der Nieselregen ziemlich plötzlich in starken Regen. Ich flüchte mich in einen jungen, dichten Fichtenwald, um dort unterzustehen. Noch ist der Boden trocken, was sich aber bald ändert. Überall tropft es jetzt.
„Begegnung im Regen“ weiterlesenWahnbachtalsperre
Bislang verlief die Strecke weitgehend durch Ebenen und die einzigen Berge waren die künstlichen Halden. Doch ab heute wird es anders. Ab jetzt wird es auf und ab gehen durch sehr ländliche Gegenden. Nach zwei Wochen Gehen spüre ich das erste Mal ein paar „Wehwehchen“ an den Füßen. Und zum ersten Mal ist es heiß. Doch wenn es nicht schlimmer wird, ist alles gut. Kein Grund zu irgendeiner Klage! Besondere Attraktionen stehen für die nächsten Tage erst einmal keine auf dem Plan. Es gilt also, dem Zufall seine Chance einzuräumen.
Gestern wanderte ich durch die Wahner Heide und heute nun, von Altenrath kommend, stoße ich auch noch auf die Wahnbachtalsperre; In der Kurzform lautet der Name nur: „Wahn-Sperre“! Klingt ja allmählich gefährlich, denk ich mir so. Ich wage es dennoch, setze mich zu einer Rast nahe ans Ufer. Und dann, schon nach wenigen Minuten, ertappe ich mich, wie ich in Gedanken so eine Art Doppel-Selbstgespräch mit mir führe:
