Anna-Park & Energeticon

Gipfel Noppenberg

Aachen; 19.07., 9 Uhr.  Am Rande von Aachen treffen wir zusammen mit Franz-Josef Emundts. Seit vielen Jahren engagiert er sich in der Regionalgruppe Kreis Aachen des BUND und heute begleitet er uns auf der Etappe durch das Wurmtal und das Broichbachtal. Beide Täler sind ausgewiesene Landschaftsschutzgebiete und durchgängig mit Wanderwegen erschlossen. Zu Anfang ist es also eindeutig: Wir wandern durch Landschaft und diese ist schön. Lediglich an zwei Stellen der heutigen Etappe wird das nicht so eindeutig sein. Bei Schweilbach treffen wir auf die Kalkhalde Teuterhof. Auch dieses Areal ist mit Wegen erschlossen. Da es sich hier um ein künstlich erschaffenes Gebiet handelt, sind scheinbar besondere „Lesehilfen” nötig.
Zwei Strategien können wir finden, mittels derer hier Landschaft inszeniert wurde. Die eine ist Naturschutz. Parallel der Wanderwege wurden mittels alter Baumstämme und Gestrüpp durchgehende Barrieren errichtet, sodass das Verlassen der Wege unmöglich ist. An einigen ausgesuchten Stellen wurden ferner Stege und Aussichtsplattformen errichtet, die den Blick in das versperrte Gebiet wieder öffnen. Ergänzend klären Informationstafeln darüber auf, dass hier seltene und besondere Arten vorkommen – und schon ist das wilde Gestrüpp in eine schützenswerte Landschaft verwandelt. Die andere Strategie ist Kunst. Entlang des Weges stoßen wir wiederholt auf eiförmige Steinskulpturen. Auch sie kennzeichnen das Areal als ein besonderes. Aus den Schilderungen von Herrn Emundts ist jedoch herauszuhören, dass diese Objekte in der Bevölkerung lediglich recht geteilte Zustimmung finden.
Schließlich erreichen wir am Rand der Stadt Alsdorf den „Anna-Park”. Bis Ende der 1980er-Jahre war dieses Areal noch das ökonomische Herzstück von Alsdorf: Etwa 150 Jahre lang bestimmte hier die Zeche Anna und eine Kokerei das Geschehen. Doch 1985 kam das politische Aus, die Ankündigung des Endes der permanenten Subvention des Kohlebergbaus, gekoppelt an das politische Versprechen: „Kein Bergmann fällt ins Bergfreie”. Und tatsächlich fanden die meisten Bergleute eine andere Beschäftigung, so zum Beispiel im Braunkohlebergbau oder in jenen Maschinenbaubetrieben, die Bergbautechnik für den Export produzieren. Von den alten Zechen- und Kokerei-Gebäuden sind nur wenige übrig geblieben. Sie beherbergen heute das Museum „Energeticon”. Dessen Geschäftsführer Harald Richter begrüßt uns und führt uns durch die Ausstellung. Neben der auch sinnlich sehr eindrücklichen Geschichtsdokumentation des vergangenen Steinkohlebergbaus zeigt das Energeticon insbesondere auch zukünftige Energietechniken und erneuerbare Energien. Die Energiewende wird hier also sehr anschaulich. Erstaunlich ist allerdings, dass die Atomenergie in der Ausstellung praktisch gar nicht thematisiert wird. Auch die Phase des Umbruchs, also die Ankündigung der Zechenschließung und die damit verbundene Krise der Stadt Alsdorf ist nur wenig aufbereitet – dabei erinnert Harald Richter die fünf Jahre nach 1985 als die kreativste Phase der Stadt Alsdorf. Möglicherweise ließen sich aus der Rückschau auf diesen Prozess aber hilfreiche Hinweise für künftige Umbrüche gewinnen?
Zum Anna-Park gehören neben dem Außengelände des Energeticon auch die Halden der ehemaligen Zeche Anna. Wie damit zukünftig verfahren werden soll, ist noch in der Diskussion. Wir wollen auf jeden Fall einen eigenen Eindruck erhalten und steigen entlang der steilen, ehemaligen Bandtrassen auf den Gipfel des Noppenberges. Gestein aus über 900 Meter Tiefe liegt hier über 100 Meter hoch aufgetürmt. Die Ankunft auf dem Gipfel wird bestimmt durch die weite Aussicht und den heftigen Wind, dem man hier ungeschützt ausgesetzt ist. Auffällig ist auch die bereits von ganz allein entstandene Vegetation.
Doch was ist das nun für ein Ort? Wird hier Natur besonders erkennbar, die selbst einen solch extremen Standort in kurzer Zeit „wieder für sich zurückerobert”? Und muss dieser Berg, wie es diskutiert wird, nun als Naturschutzgebiet vor den Menschen geschützt werden? Oder steht man hier oben in der Umwelt, auf einem Mahnmal, das an das freigesetzte CO2 und den Klimawandel erinnert? Der Gedanke ist wohl zutreffend, er wirkt hier oben aber doch irgendwie etwas bemüht und konstruiert. Alle sinnlichen Eindrücke sprechen für das andere Moment der Wahrnehmung: Dies ist Landschaft.

Im Stadtpark
Hohlweg
Portraittermin
Inszenierung Natur
Inszenierung Wildnis
Inszenierung Kunst
Weg über die alte Kippe
Das Wurmtal
Im Wurmtal
Zugang zum Noppenberg
Aufstieg
Gipfeltreffen
AnnApark1
AnnApark2
Energeticon1
Energeticon2
Demo

 

 

Die Kommentare wurden geschlossen